Posterous theme by Cory Watilo

New: Kiez on the Blog

Einer der Läden, die mich in regelmäßigen Abständen in den Südkiez locken, ist das YoYo Foodworld in der Gärtnerstraße mit seiner schier unermesslichen Auswahl an veganen Burgern, Pizzen und Wraps. Gestern war also mal wieder einer dieser Tage, die ich Heißhunger trage, und mich ständig selber frage, warum mich all diese Gefühle plagen, die ich nicht kannte - und so. Doch um den Gaumenschmauß in Form eines Spinat-Käse-Burgers mit ner großen Ladung Pommes soll es hier gar nicht gehen, sondern um das, worauf ich stieß, als ich - voll gegessen und zufrieden - meinen Teller brav in die Geschirrablage stellte. Denn dort waren zwei Postkarten im Standard-City-Cards-Ständer zwischen Küche und Klo drapiert: "Kiezwerte" und "Kiezsitzer" - meine Aufmerksamkeitsschwelle ward überschritten.

Der auf der Rückseite angegebene link führte zu einer Website, die bezüglich Titel und Inhalt der meinen hier gar nicht so unähnlich ist: Kiez on the Blog. Dabei handelt es sich um ein interaktives Blog von Studierenden der Hoffbauer-Berufsakademie in Potsdam. Die Idee dahinter: Jeder kann seine Gedanken zu seinem Kiez in Form von Texten, Bildern, Video- und Audiodateien beitragen. Ob Steglitzer Kiez-ABC, Hermannstraßen-Poesie oder einfach eine nüchterne Beschreibung von X-Berg - obwohl die Zahl der Beiträge sich noch in Grenzen hält, ist die Mischung nicht uninteressant. Wer vor dem weißen Blatt verzweifelt, dem wird mit der Kategorie "Mein Kiez ist geil, weil..." der Einstieg erleichtert. 

Nach Freischaltung durch die Betreiber kann jeder mitmachen. Also Finger gespitzt und in die Tasten gehauen für dieses schöne Projekt!  

Eine Reise durch Raum und Zeit. Freitag Abend im Antje Oeklesund

Ich glaub, wir sind dran vorbei gerannt, sage ich zu Ellen. Da vorn isses zu hell, da kann es nicht sein. Wir drehen um, gehen ein paar Meter zurück und biegen in die Hofeinfahrt. Es ist dunkel, kein Mensch weit und breit. Bei Nacht sind alle Backsteinhäuser grau. Ein Fahrrad steht im Fahrradständer. Ellen gesellt ihres dazu. Aus der Baracke gegenüber dröhnen dumpfe Gitarrenklänge. Wie die Motten nähern wir uns der einzigen Lichtquelle auf dem sonst im Tiefschlaf liegenden Hinterhof. Über drei brüchige Treppenstufen gelangen wir ins – ja was eigentlich - Foyer? Guck mal, das Dach fehlt, sagt Ellen. Zwischen Sand, Schutt und Holzresten lehnt ein Liegestuhl an der kahlen Mauer. Das ist dann wohl der Sommergarten. Wir steigen durch ein Loch in der Wand. Ein Abendkasse-Häuschen taucht unerwartet links neben uns auf. So eins, wo man durch eine Glasscheibe von der Kartenverkäuferin getrennt ist und das Geld durch eine kleine Öffnung am unteren Scheibenrand hin- und hergeschoben wird. Ich denke an den Bahnhofsschalter von früher. An eine lange, sich träge aber diszipliniert voran windende Menschenschlange, ihre Glieder geduldig ausharrend, der ein oder andere nervös auf die leise aber unbarmherzig tickende Bahnhofsuhr blickend, die Beine und Köpfe vor sich zählend, den Moment herbei sehnend, wenn auch er endlich von Angesicht zu Angesicht mit der Fahrkartenfachverkäuferin stehen würde, getrennt nur durch eine fünf Millimeter Schicht unsichtbaren wie zerbrechlichen Feststoffes.

Im Antje Oeklesund gibt an diesem Abend keine Warteschlange. Wir schieben die vier Euro durch den Schlitz und werden abgestempelt. Drei weitere bröcklige Treppenstufen und eine große Metalltür, die einen beim Öffnen auf die erste Stufe herunterzwingt später sind wir drin. Mittendrin. Das Ende meines Satzes geht im Sound der Gitarren unter. Es ist heiß und laut. Ich bin kurz überfordert. Scheiße, bist du weich geworden, denke ich. Und mir wird schmerzlich bewusst, dass ich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr “aus“ war. Also so richtig. Musik und Rauch. Bier und Schweiß. Rock’n Roll. Ich schaue Ellen an und bin glücklich. Früher, als uns die 40-Stunden-Woche noch nicht in erbarmungsloser Regelmäßigkeit an Freitagabenden auf die heimischen Sofas zwang, waren wir oft zusammen weg. Und heute sind wir hier. Mit etwa 30 Gleichgesinnten stehen wir vor der kleinen Bühne und lauschen den Klängen von man behind tree. Solider Rock. Bodenständig, aber nicht langweilig. Ich hadere mit dem Klang der Stimme des Frontmanns. Der hat eine interessante Stimme, ruft Ellen mir ins Ohr. Ich weiß nicht, sage ich. Bar? fragt Ellen. Ich nicke. Wir folgen dem Wegweiser Richtung Cafeteria. Alte Bildschirme, ein Sessel hinter Gittern und Informationsschilder, die in ihrer Rhetorik an ehemalige innerdeutsche Grenzübergänge erinnern, säumen den Weg.

Während man behind tree ihren letzten Song spielen, lasse ich die location auf mich wirken. Prädikat: Abrissreif. Frei liegende Rohre und tausende verworrene Kabel schlängeln sich entlang des frei liegenden Mauerwerks, das man, wäre es Holz, getrost als morsch bezeichnen könnte. Aber Stein trägt. Solides Baumaterial. Ich stelle mir den braven Beamten vor, der seinen Stempel unter den Antrag auf Zwischennutzung (Formular 735 a) gesetzt hat. Ob der mal persönlich hier war? Ich muss innerlich grinsen angesichts des Bildes in meinem Kopf. Wat nen Schuppen, sagt Ellen. Und ich weiß: Sie liebt ihn. Und ich auch.

Wir setzen uns auf die großen, einst weißen Holzblöcke, die eine Tribüne formen. Der Laden füllt sich. Schräg gegenüber sitzt ein Pärchen. Anfang Vierzig würde ich tippen. Er trägt ein weißes Hemd, dazu eine braune Jacke und schwarze Ausgehschuhe. Auch seine Begleitung hat sich schick gemacht. Er legt den Arm zurückhaltend-zärtlich um sie, sie lächelt ihn verliebt an - zweites Date, ganz klar. Rechts vor uns weckt eine Frau mit langen dunklen Haaren, rot geschminkten Lippen und weißer Matrosenmütze meine Aufmerksamkeit. Ich stelle mir vor, wie sie heute Abend in ihrem Altbau-Schlafzimmer vor dem Kleiderschrank stand. Was zieh’ ich bloß an? Rock, schulterfreies Top und – klar, Matrosenmütze. Was sonst.

Als die zweite Band die Bühne betritt, ist der Raum randvoll. Hi, we are Trike from Canada. Er, großgewachsen, Popperfrisur, Glitzer im Gesicht, kariertes Sakko mit Schulterpolstern. Sie, lockiges Haar mit Seitenscheitel. Vielmehr weiß ich nicht – der Mann, der sich soeben aus den 80ern in dieses 2012er Abrisshaus gebeamt hat, hat meine ganze Aufmerksamkeit. Vor ihm stehen zwei Keyboards und mir schwant Schlimmes. Die Keyboarder sind doch irgendwie immer die Uncoolen. Dann geht’s los. Laptop und Tasteninstrument geben den Beat vor. Als er die ersten Töne ins Mikro raunt, will ich mit ihm zurück reisen in seine Welt. In seine Zeit. Stimme raten spielen mit ihm und Ian Curtis. Ok, das war...Ian. Falsch, Stephen war’s. Ok, nächster Versuch. Was sich in den nächsten 40 Minuten abspielt, ist eine Mischung aus Synthie-Pop und Tanztheater, aus 90er-Jahre-Techno und Riverdance, aus Pulp Fiction und Starlight Express. Joy Division meets 2 Unlimited. Ich will wild umher springen, mich hemmungslos betrinken und auf der Discokugel, die über unseren Köpfen aus dem Kabelsalat ragt in die Vergangenheit reisen. Ellen und ich sitzen auf unserem Block. Parkett links, gute Sicht. Die Freitagabende auf dem Sofa haben uns geprägt. Haben wir das Loslassen verlernt? Das Ausflippen? Trike geben nochmal alles auf der Bühne. Große Gefühle, dramatische Gesten und zum Schluss eine Polonaise durchs Publikum. Es ist großartig. Wir lachen uns schlapp. Und auf einmal ist alles perfekt. Die ranzige location, der halbnackte Glittermann auf der Bühne, die Keyboard Samples und Ellen und ich.

Am nächsten Morgen wache ich mit Kopfschmerzen auf. Scheiße, bin ich weich geworden, denke ich. Ellen und ich wollen jetzt wieder öfter weggehen. Musik und Rauch. Bier und Schweiß. Lose control.        

 

Kiezfunk goes Hörfunk: 3-Minuten-Lesung bei FluxFM.

Gestern durfte ich, zu meiner großen Freude, einen Beitrag aus diesem Blog im Rahmen der 3-Minuten-Lesung bei FluxFM vortragen. Zugegeben: Vorab war ich ganz schön nervös. Aber die lockere Atmosphäre in den Sender-Räumen in der Brunnenstraße (noch...die Umzugskisten stehen schon bereit) und der alte Radio-Hase Winson wirkten dann doch pulssenkend und in gleichem Maße spaßfördernd. Wer es aufgrund der - auch im vorgetragenen Text thematisierten - Großwetterlage verpasst hat, kann sich das Ganze auf der FluxFM-Website als Podcast anhören. 

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Von der Freiheit, Nein zu Fleischwolken zu sagen. Oder: Frühling vorm Balkon.

Gestern war es warm draußen. Der erste richtige Frühlingstag des Jahres. Trotzdem habe ich es nicht vor 16 Uhr geschafft, meine schattig-kühle Hinterhauswohnung zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte es sich auch draußen schon wieder abgekült. Also wieder hoch und die "Übergangsjacke" geholt. Besser. Die Sonnenstrahlen können bisweilen doch sehr trügerisch sein, sagt Mutti. Da will ich mal lieber nichts riskieren. In diesem Zusammenhang finde ich es jedes Jahr aufs Neue interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen auf die veränderte Wetterlage reagieren.

Da gibt es die ganz Vorsichtigen. Die Wetterberichte auf allen Kanälen kündigen zwar das Knacken der 20-Grad-Marke an, aber man kann ja nie wissen. Daher geht's auch bei 18 Grad erstmal mit Winterjacke und Wollschal vor die Tür, die bald darauf als dickes, unhandliches Knäuel auf dem Unterarm landen.

Auf der anderen Seite gibt's die ganz "heißen". Also im doppelten Sinne. Sie vergleichen Wetterberichte, checken wöchentlich den 20-Tage-Trend, studieren den 100-jährigen Kalender und essen vermutlich auch ihre Teller immer brav leer, wobei sie stets die eine Frage plagt: Wann kommt er endlich, der Frühling? Bei den ersten Anzeichen werden sofort Trägertop, Shorts und Flip Flops rausgeholt. Und ganz wichtig: Der Grill. Als ich gestern von meinem spätnachmittaglichen Ausflug zurück kam, wurde ich die letzten, ich schätz mal 200, Meter von einer Wolke getragen. Einer Wolke aus Holzkohle, verbranntem Toast und Fleisch in Marinade. Hmm. Auch als Vegetarierin treibt es mir da das Wasser in Mund und Augen. Kurz vor meiner Wohnungstür war die Luft ordentlich blau. Ein paar Meter weiter fütterten die Wolkenmacher ihre Wolke und futterte etwa ein Dutzend gut gelaunter Menschen an einer auf dem Bürgersteig aufgebauten Tafel ihre Schweinenackensteaks. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Das hat schon fast was von Mittelmeer, sage ich zu meinem Begleiter, und denke an Barcelona oder Neapel, wo sich alles Leben auf der Straße abzuspielen scheint. Diese "Ladenwohnungen" bieten sich dafür natürlich an. Ich habe gleich zwei davon in unmittelbarer Nachbarschaft. Da wird der Busch am Straßenrand zum Vorgarten. Der Bürgersteig zur Terasse. Selbst der Dackel darf nicht fehlen und begrüßt neugierig und schwanzwedelnd jeden Besucher - soll heißen jeden, der vorbei kommt. Bei mir löst das heimelige Gefühle aus. Ja, hier am Ende der Samariterstraße, weit weg von der rauhen, lauten, Feinstaub pustenden Frankfurter Allee, hier oben ist die Welt noch in Ordnung. Andererseits komme ich auch nicht umhin mich zu fragen, was die Bewohner im ersten OG wohl von dem Marinade- und Kohlegeruch pustenden Grill unter ihrem Balkon halten. Inspiriert von Joachim Gauck, schießt mir da sogleich der Satz in den Kopf "Die Freiheit des einen endet dort, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt", oder so ähnlich. Vegetarier hin oder her: Eine Fleischwolke im Zimmer würde mir ganz schön den Frühlingsauftakt auf Balkonien verderben...

Da lob ich mir dann doch wieder meine schattig-kühle und garantiert balkon- und grillfreie Hinterhauswohnung, obwohl ich dort nie ein Gefühl dafür habe, wie warm es draußen denn nun tatsächlich ist. Und so werde ich wohl noch das ein oder andere Mal umkehren und hochspurten, um die Jacke aus- oder die Sandalen anzuziehen. Eine Freundin meinte, Treppensteigen mache einen knackigen Po. Na dann kann der Frühling ja kommen.      

Sommer im Kiez: Mehr grau als grün?

Gute Zeiten...

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schlechte Zeiten...

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Der Frühling streckt so langsam seine Fühler aus. Heute hat es bereits viele Kiezianer auf die Draußen-Sitz-Plätze der Cafés und Restaurants gezogen. Zwar mit Mütze und Schal, aber immerhin. 

Doch wo Sonne ist, ist Schatten bekanntlich nicht weit. So wird es diesen Sommer eine Grünfläche weniger im Samariterkiez geben. Wo man im Juli letzten Jahres noch umgeben von Bäumen und Sträuchern dem aufgeheizten Asphalt entfliehen konnte, werfen jetzt Bauzaun und Werbetafel ihre Schatten voraus. Statt Grillecke und Sandkasten gibt es den "City-Cubus" - ein Traum in dunkelgrau und weiß. Schlimmer geht's nimmer.

Kiezkulinarisch: Kater-Gulasch.

So, ich hoffe, mit dieser Überschrift schafft es der nun folgende Beitrag auch beim kulinarisch eher uninteressierten Leser über die Wahrnehmungsschwelle. Denn heute habe ich ein schnuckeliges neues Restaurant in petto, das zu besuchen sich auf jeden Fall lohnt. Die Rede ist vom Kater Mikesch in der Proskauer. Kredenzt wird tschechisches Essen wie Böhmischer Bohnentopf, Rindersuppe, Tafelspitz und natürlich Knödel. 

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Für den verwöhnten Friedrichshainer schon eher gehobene Preisklasse, bekommt man im "Kater" aber auch "mal was anderes" als beim Lieblingsitaliener, - spanier oder -vietnamesen um die Ecke. Die Karte ist überschaubar. Gewählt werden kann aus acht Hauptgerichten mit Fleisch, für Vegetarier stehen drei fleischlose Gerichte zur Auswahl. Ein veganes Angebot gibt es leider nicht, da alle vegetarischen Speisen Eier enthalten. 

Unsere Runde hat sich für das Szegediner Gulasch (9 Euro), gefüllte Palatschinken mit Hackfleisch und Pilzen mit Käse überbacken (7,80 Euro) und Palatschinken mit Gemüse im Frischkäsemantel (2 Stück 7,20 Euro) entschieden. Dazu gab es Bier (Staropramen (0,5 l für 3,30 Euro) und tschechischen Rotwein (0,2 l für 3 Euro).

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Meine vegetarischen Palatschinken haben nicht nur visuell, sondern auch geschmacklich hingehauen. Und reingehauen. Nach einem war ich bereits pappensatt, sodass ich den zweiten bereitwillig an mein Gegenüber abgegeben habe. Der war nämlich von seinem Gulasch nicht ganz satt geworden - so passten meine "Reste" noch gut rein. Bei den Palatschinken mit Hackfleisch hätte es noch ein bisschen mehr Salat dazu sein können - sonst aber auch sehr zu empfehlen. 

Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, war die schöne Einrichtung des Restaurants. Es gibt drei, in der Gestaltung leicht unterschiedliche Bereiche. Im vorderen Restaurantbereich sitzt man an kleinen Tischen mit karierten Tischdecken. Geht man weiter durch, kann man an massiven Holztischen, oder besser "-tafeln", speisen. Zu gern hätte ich mir eine davon direkt nach Hause buckeln lassen - von 20 muskulösen, böhmischen Holzfällern, schweißdurchnässt und...ok ich schweife ab.... Geht man an der Bar vorbei, kommt man in den dritten Bereich des Restaurants, der mit seinen stoffbezogenen Sitzbänken eher an Lounge erinnert, sich durch die ausreichend hohen Tische aber genauso gut zum Dinnieren eignet. Die Einrichtung ist insgesamt sehr geschmackvoll, mit wenig Schnickschack, aber eben jener wohl dosierten Portion Kitsch, die es für die richtige Gemütlichkeit braucht. Zu letzterer trägt auch das schöne Licht bei. Bei der Beurteilung der Lichtsituation gehen die Geschmäcker, meiner Erfahrung nach, oft weit weit auseinander. Manche meiner Freunde essen am liebsten bei Flutlicht (weil sie sonst angeblich das Essen auf dem Teller nicht sehen), ich hingegen bevorzuge muschebubu und Kerzenschein. Im Kater Mischek findet man einen guten Mittelweg - es ist hell, durch die indirekten Lichtquellen wirkt der Raum dennoch sehr gemütlich und warm. 

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Last but not least: Der Service. Unser Kellner war freundlich und entspannt. So ein Kumpel-Typ irgendwie. Unaufgeregt und lässig. Stellenweise aber nen Tick zu doll. Denn obwohl wir die einzigen Gäste waren, mussten wir zur Bar gehen und Getränke nachbestellen, weil er, nachdem er das Essen gebracht hatte, nicht nochmal wiederkam. Nee, stimmt gar nicht. Einmal kam er noch, um die Teller abzuräumen. Aber danach mussten wir quasi um seine Aufmerksamkeit buhlen, was ein bissel schade war.

Alles in allem ein unterstützenswertes kulinarisches Projekt das Ganze. Pluspunkte gibt es vor allem in Bezug auf Originalität und Atmosphäre. Das Essen war gut, dennoch ist geschmacklich noch Spielraum nach oben (Stichwort: das gewisse "Etwas"), was dann auch die etwas über Kiez-Schnitt liegenden Preise rechtfertigen würde.

Hingehen, ausprobieren!

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Wo? Proskauer Straße 13

Ubahn: Samariterstraße / Frankfurter Tor

Wann? Mo - Sa 17-24 Uhr, So 12-24 Uhr

Zurück in die Zukunft. Oder: Ein Ausflug in den Südkiez.

Letztens habe ich einen Abstecher in meinen alten Kiez unternommen. Gut, das ist jetzt nicht so wahnsinnig spektakulär. Zugegebenermaßen halte ich mich des Öfteren südlich der Frankfurter Allee auf. Erst Recht, wenn Besuch da ist. Rund um Wühlisch- und Simon-Dach-Straße kann man sich eigentlich immer auf irgendeine Location einigen. Egal, wie inhomogen die Truppe ist. Aber an besagtem Tag war ich nicht in einer der vielen Bars, sondern tatsächlich am hellichten Tage in der Boxhagener Straße. Zwischen mir und meiner ehemaligen Wohnung lagen nur 20 Meter Luftlinie und eine äußerst unliebsame Ampelkreuzung (wer des Öfteren Ecke Gürtelstraße das Vergnügen hat, weiß, wovon ich rede). Fünf Jahre habe ich dort verbracht. Fünf aufregende Jahre. Berlin. Alles neu. Alles aufregend. Schöne Zeit. Und auch an diesem Tag bekam ich wieder dieses wohlig-kribbelige Gefühl im Bauch angesichts der Erinnerung daran. Und doch fühlte ich mich irgendwie neu in der Gegend. Vieles hat sich verändert. Da, wo früher eine kleine, dunkle Bar war, so eine mit Kerzen in Flaschen, an denen das Wachs runterläuft, ist jetzt ein Fischrestaurant. Fischrestaurant! Ein paar Meter weiter der Beton gewordene Alptraum all’ derer, für die Berlin mehr ist als billig saufen und drei Tage wach: Das AO-Hostel – zu meiner Zeit noch dezent auf einem Hinterhof versteckt – kündet von der Rollkoffer-Armada...klacker klacker klacker.... Wer im Taumel des Wow-Berlin-Gefühls den Eingang in die Bettenburg verpasst, landet weich – in der Bio-Company. Schade, dass gerade die damals noch nicht da war, denke ich so bei mir.

Schade auch für die Betreiber der Lavanderia gegenüber (Ecke Lenbachstraße) – denn die steht leer. So richtig viel los war dort damals schon nicht. Anders in dem kleinen Coffee-Eis-Shop kurz vor der Lidl-Einfahrt. Hätte mich auch gewundert, wenn der es nicht geschafft hätte. Und da ist es wieder, das Wohlfühl-Kribbeln bei dem Gedanken an die gleißende Mittagshitze, kein Schatten weit und breit. Wie wir dort saßen, meine Freundin-Mitbewohnerin und ich, Eisschokolade aus großen Gläsern schlürfend, Zentimeter über dem Bordstein im Liegestuhl schwebend, die Füße auf dem semi-professionell zusammengezimmerten Baumschutz slash Sitzmöbel. Die Abgase der lauten, heißen Autos einatmend. Glücklich. Eine Gasleitung war undicht. Wir konnten nicht in unsere Wohnung. Egal, dachten wir. Hier draußen an der Straße, in der Sonne war es eh soviel schöner.

Eine Apotheke gibt es jetzt auch hier. Praktisch. Keine von Schmerz oder Schnupfen gekennzeichneten Endlosmärsche bis zur Seumestraße mehr. Alles sieht so anders aus. Beim Nachhause-Radeln fahre ich an einem weiteren Betonklotz vorbei. Noch roh. Noch fassadenlos. An der Gesichtslosigkeit dieses Baus wird aber auch eine solche wohl nichts ändern. Ein weiteres Hostel, meinte ein Freund kürzlich. Dort, wo einst ein Hof mit alten Gebrauchtwagen war. So einer mit einer Schnur mit Wimpeln dran. Wie oft sind wir an dem alten Leichenwagen stehen geblieben, der unsere Träume lebendig werden ließ. Mit dem durch Europa düsen. Wer jetzt hier vorbeigeht, träumt nicht mehr. Außer vielleicht von einer Zeit, in der es wieder Wimpelketten gibt statt Betonriesen. Und auch mir wird erneut bewusst, dass sich das Wohlfühl-Gefühl nur aus Erinnerung speist. Nicht aus dem Hier und Jetzt.
Dennoch: Ich komme mit Sicherheit noch oft hierher. Als Tourist sozusagen. Nur ohne Rollkoffer. Keine Angst.

How Bäckerei Wenzel made my day.

Zugegeben, ich bin kein großer (Vorweihnachts)-Fan. Das Gebimmel und Gebammel überall lässt mich ziemlich kalt. Nervt meistens eher. Und ich weiß nicht ob es an der Großstadt liegt, aber besonders viel Freundlichkeit oder gar Herzlichkeit will nicht so recht rüberkommen in der U-Bahn, an der Supermarktkasse und ganz besonders nicht im Gedränge in den Kaufhäusern oder auf'm Weihnachtsmarkt.

Aber heute, am Nikolaustag, war dann doch irgendwie alles anders. Bei der Bäckerei Wenzel unten an der Frankfurter fragte mich die Verkäuferin, wie es mir denn ginge, und sagte, dass sie sich freue, mich wiederzusehen (ich kaufe hin und wieder morgens meine Brötchen dort). Meine erste Reaktion: Irritation. Wie jetzt, wie es mir geht? Meint sie das ernst? Da ich wie immer viel zu spät dran war, habe ich entsprechend "schmalllippig" (auch so ein Wort, das man eigentlich nie benutzt, aber es schoß mir eben geradezu in den Kopf) geantwortet und bin raus - weiter zur U-Bahn. Und sogleich kam das schlechte Gewissen. Ich meine, wann hat man das schonmal in Berlin, dass einen jemand völlig Fremdes einfach so nach dem Befinden fragt oder sich sogar freut, einen zu sehen. Und je mehr ich drüber nachdachte, umso mehr berührt es mich.

Im Büro dann hatte der Nikolaus seine eine kleine süße Schokoladenspur hinterlassen. Und eben, als ich nach Hause kam, hing das im Hausflur:

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Um es mit Peter Fox zu sagen: "Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart wie du denkst".

Einen schönen Rest-Nikolaustag und gute Nacht!